Dalbker Bach erhalten – für Mensch und Tier

 

Viele besorgte Bürger haben sich in den letzten Tagen bei uns gemeldet, weil sie sich um die Zukunft des Dalbker Baches sorgen. Seit Monaten beschäftigt sich der Umweltausschuss schon mit dem diesem Thema. Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für die zukünftige Entwicklung des Dalbker Baches schlägt drei Szenarien vor: Stilllegung, Umleitung oder Erhalt des Gewässers. Die Verwaltung möchte nun mit der Variante „Stilllegung des Baches“ in das Planfeststellungsverfahren gehen und beruft sich dabei auf die Empfehlung der Unteren Wasserbehörde des Kreises Lippe, der zuständigen Behörde.

Wie wurde diese Diskussion angestoßen? 

Der Dalbker Bach zweigt am Ravensburger Wehr (Lipper Hellweg) vom Menkhauser Bach ab. Dieser unterliegt der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und muss bis 2024 in einen Zustand versetzt werden, der die Durchgängigkeit des Fließgewässers garantiert und damit flussaufwärts wandernde Tiere nicht behindert. Im Zuge dessen muss das Wehr umgebaut und entschieden werden, ob der Zulauf des Dalbker Baches erhalten bleibt.

Der Dalbker Bach hat aufgrund seines künstlichen Ursprungs nicht den gleichen Stellenwert wie der Menkhauser Bach und fällt nicht unter die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Genau diese Richtlinie fordert jedoch auch die „Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustands der aquatischen Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängigen Landökosysteme“.

Nach einem Gespräch mit der unteren Wasserbehörde bekamen wir immerhin die Auskunft, dass der Bach zwar künstlichen Ursprungs sei, aber mittlerweile in einen natürlichen Zustand übergegangen ist. Zudem bezieht die Behörde auch landschaftspflegerische Aspekte in ihre abschließende Beurteilung mit ein. Die Aussage allerdings der Dalbker Bach sei „ökologisch kaum wertvoll“ (NW 7. März 2017) halten wir für nicht haltbar und vorschnell, denn bis zum heutigen Tag gab es keine ökologische Untersuchung des Gewässers.

Wir möchten den Dalbker Bach erhalten:

– Der Dalbker Bach gehört zum Stadtbild von Lipperreihe. Er ist ein vor hunderten Jahren künstlich angelegtes Gewässer, das die anliegenden Bauern zur Bewässerung ihrer Felder nutzten und zählt historisch zu den Wurzeln der ersten Ansiedlungen des späteren Ortes Lipperreihe.

– Der Dalbker Bach scheint unmittelbaren Einfluss auf weitere Wasserläufe und Teiche im Wochenendgebiet Kindsgrab und darüber hinaus zu haben. Eine Stilllegung könnte bedeuten, dass das weit verzweigte Wassernetz trockenfällt und damit wichtige Ökosysteme für Tiere und Pflanzen zerstört werden.

– Anliegende Bauern haben eingetragene Staurechte und sind auf das Wasser des Baches angewiesen.

– Es besteht die Gefahr, dass mit der Stilllegung des Baches der Grundwasserspiegel sinkt und damit die Brunnen der Anlieger versiegen, die nicht an der städtischen Wasserversorgung angeschlossen sind.

Alles eine Kostenfrage?

Laut Abwasserwerk der Stadt Oerlinghausen verursacht der Bach aufgrund des geringen Gefälles eine ständige Versandung, weshalb das Bachbett regelmäßig instand gehalten werden muss. Die Kosten belaufen sich auf ca. 6.000 Euro jährlich. Geht es hier also um finanzielle Belange? Kosten Erhalt und Pflege öffentlicher Grünflächen und Straßen nicht auch Geld? Und sollen aus diesem Grund schützenswerte Biotope und eine wertvolle Artenvielfalt in Gefahr gebracht werden?

Wir fordern ein Umdenken der Verwaltung

Die Machbarkeitsstudie hält die Erhaltung des Baches für durchführbar und rechnet nach Abschluss der bauliche Maßnahmen mit einem weniger intensiven Pflegeauffwand. Wir sind der Meinung, dass der Bach durchaus eine Zukunft haben sollte – schon jetzt besteht ein großes Interesse bei  Bürgern, Anliegern und Naturschützern an dessen Erhalt. Bei dem im Umweltausschuss beschlossenen runden Tisch mit allen Beteiligten wäre es möglich, etwas weiter zu denken und Lösungen jenseits der Bürokratie zu entwickeln.

Ein ergebnisoffenes Planfeststellungsverfahren wird jedoch nach wie vor notwendig sein, um eine endgültige Planung voranzubringen. Dabei sollten umfängliche biologische und hydrogeologische Untersuchungen angestrengt werden – mit dem Ziel „Erhalt des Dalbker Baches“!

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